﻿{"id":670,"date":"2013-08-02T11:14:10","date_gmt":"2013-08-02T10:14:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.flugunion-seitenstetten.at\/v3\/?p=670"},"modified":"2015-02-22T12:00:50","modified_gmt":"2015-02-22T11:00:50","slug":"02-08-2013-wolfgang-grabner-schweden-aus-flug","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.flugunion-seitenstetten.at\/v3\/02-08-2013-wolfgang-grabner-schweden-aus-flug\/","title":{"rendered":"02.08.2013 &#8211; Wolfgang Grabner: Schweden Aus-Flug"},"content":{"rendered":"<h3><strong>ABBA Jubil\u00e4um und andere Highlights per Flugzeug<\/strong><\/h3>\n<p>Auch heuer starteten Flugunionmitglieder Wolfgang und Ewald Grabner zu einem ganz besonderen Flug. Zum Jubil\u00e4um 50 Jahre Flugschein und 40 Jahre Abba flogen sie mit der Piper Archer D-EHHV zu den Wurzeln dieser popul\u00e4ren Band nach Schweden. Am Weg hin und zur\u00fcck gab es etliche weitere interessante Highlights. Insgesamt waren sie in 5 Staaten auf 14 neuen Flugpl\u00e4tzen, 1 Insel und sie flogen \u00fcber 5 Meerespassagen. Hier der Bericht.<\/p>\n<p><b>Exkursion COBRA Flugzeuganh\u00e4nger-Manufaktur<br \/>\n<\/b>Der erste Schenkel f\u00fchrte uns nach einem etwa dreist\u00fcndigen Flug nach Kassel-Calden. Dort wurde im April der neue Verkehrsflugplatz er\u00f6ffnet, wir hatten jedoch nur das alte Jeppesen Anflugblatt und auch im GPS war nichts von einem neuen Flugplatz zu sehen. Der neue Platz ist wirklich gro\u00dfz\u00fcgig und mit modernsten Einrichtungen ausgestattet. Wenn man schon in Kassel ist, geh\u00f6rt es sich, auch einen alten Fliegerfreund zu besuchen: Alfred Spindelberger, dem Gr\u00fcnder und Eigent\u00fcmer der COBRA Flugzeuganh\u00e4nger Manufaktur. Der Betrieb befindet sich in Ederm\u00fcnde, etwa eine halbe Fahrstunde vom Flugplatz Calden entfernt.<\/p>\n<p>Begonnen hat alles damit, dass \u201eFredi\u201c in den 70iger-Jahren bei den Sportfliegern Steyr in Micheldorf und Erla aktiver Segelflieger war. Dann verschlug es ihn beruflich nach Deutschland. Weil er bereits in \u00d6sterreich Flugzeuganh\u00e4nger gebaut hatte, wandte er sein K\u00f6nnen nun auch bei seinem deutschen Fliegerverein an. Dann erkannte er eine Marktl\u00fccke und gr\u00fcndete die Firma COBRA. Im Laufe der Zeit entwickelte sich ein modernes Anh\u00e4ngerwerk, bei dem zahlreiche technische Innovationen realisiert wurden.<\/p>\n<p>In der 1.100 m2 gro\u00dfen Halle produzieren cirka 30 Mitarbeiter pro Jahr etwa 350 Hightech Flugzeuganh\u00e4nger. Seit Firmenbeginn wurden \u00fcber 9.000 Anh\u00e4nger in die ganze Welt geliefert. Die Modellvielfalt ist unglaublich gro\u00df und umfasst Anh\u00e4nger f\u00fcr 15, 18 und 20 m Segelflugzeuge, aber auch f\u00fcr Motorsegler und Ultralight Flugzeuge. Weil Flugzeuganh\u00e4nger nicht nur f\u00fcr den Transport verwendet werden, sondern meistens auch als Ganzjahreshangar dienen, soll rasches Ent- und Beladen und einfachste Flugzeugmontage m\u00f6glich sein. Wurden fr\u00fcher die H\u00e4nger zumeist mit Aluminium beplankt, dominieren in den letzten Jahren windschnittige GFK-Aufbauten. Robuste Spezialprofile reduzieren das Gewicht, erm\u00f6glichen sichere Befestigung von Einzelteilen und bieten weitere Zusatzfunktionen. Neben der Standardausf\u00fchrung k\u00f6nnen s\u00e4mtliche spezielle Kundenw\u00fcnsche erf\u00fcllt werden. Gebaut werden die Anh\u00e4nger nicht nur f\u00fcr die allerneuesten Flugzeugtypen, sondern ebenso f\u00fcr \u00e4ltere bis nostalgische. Im CORBA Archiv befinden sich Pl\u00e4ne unz\u00e4hliger Flugzeuge, wof\u00fcr die Anh\u00e4nger jederzeit ma\u00dfgenau produziert werden k\u00f6nnen. Hauptabnehmer sind die deutschen Segelflugzeughersteller Schleicher, Glasfl\u00fcgel, DG, Schneider, aber auch Vereins- und Privatkunden.<\/p>\n<p><b>Von Deutschland \u00fcber D\u00e4nemark nach Schweden<br \/>\n<\/b>Weiter ging es zum Flugplatz Damme, der f\u00fcr die Seitenstettner Flieger in der Vergangenheit eine besondere Rolle spielte. Jahrzehntelang bestanden intensive Freundschaften zwischen Piloten von Damme und Seitenstetten. Gegenseitige Besuche fanden regelm\u00e4\u00dfig statt, insbesonders der langj\u00e4hrige Flugunion Pr\u00e4sident Dr. Brandst\u00e4tter hatte dort herzliche pers\u00f6nliche Freundschaften geschlossen. Zu meiner \u00dcberraschung ist diese Generation in Damme aber nicht mehr am Ruder und den jungen Mitgliedern ist von diesen Fliegerfreundschaften nicht mehr viel bekannt.<\/p>\n<p>Nun folgte eine besonders spannende Strecke und zwar schnurgerade von Damme nach L\u00fcbeck. Dabei musste die Kontrollzone von Bremen und Hamburg, sowie die Anflugzone des Flughafen Hamburg\/Fuhlsb\u00fcttel durchquert werden. In 2.000 Fu\u00df \u2013 ore below \u2013 war es zwar extrem bockig, aber das muss f\u00fcr einen interessanten Flug mit erheblicher Abk\u00fcrzung in Kauf genommen werden. Um in L\u00fcbeck die Landegeb\u00fchr zu bezahlen und einen neuen Flugplan zu machen, musste zuerst \u201eeingereist\u201c und dann nach allen Kontrollen zum abgestellten Flugzeug wieder \u201eausgereist\u201c werden. Am Weiterflug nach D\u00e4nemark \u00fcberflogen wir einige Inseln. Die von Urlaubern bev\u00f6lkerten Badestr\u00e4nde und Yachth\u00e4fen waren sehr gut auszumachen. Besonders eindrucksvoll sind geometrisch angelegte Windradparks im Meer. \u00dcber die Insel Loland, wo wir vor einigen Jahren gelandet waren, vorbei an Kopenhagen und dem Flugplatz Roskilde, ging es zum Flugplatz Gronholt. Interessanterweise wurden wir noch im Flug von Kopenhagen-Kontroll unaufgefordert gefragt, ob der Flugplan geschlossen werden soll. Auf der Turmfrequenz meldete sich niemand und nach der Landung war auch klar, warum uns die Schlie\u00dfung per Funk angeboten wurde. Es war n\u00e4mlich keine Menschenseele am Platz und so konnten wir auch keinen neuen Flugplan von D\u00e4nemark nach Schweden aufgeben. In D\u00e4nemark und Schweden ist das aber nicht ungew\u00f6hnlich, und so war es kein Problem, dass der Grenz\u00fcbertritts-Flugplan auch per Funk angenommen wurde. Nach Landung in Halmstad und Auftanken ging es nach G\u00f6teborg. \u00dcber das Austrocontroll Homebriefing war am n\u00e4chsten Tag der Flugplan nach Link\u00f6ping rasch aufgegeben und auch best\u00e4tigt. Als wir allerdings abfliegen wollten, mussten wir wieder zur\u00fcck, weil der Flugplan in Link\u00f6ping nicht angenommen wurde. Es stellte sich heraus, dass der Platz nur ganz am Morgen und am sp\u00e4ten Nachmittag besetzt ist, wenn Passagierflugzeuge landen. Um nicht sinnlos auf den Abend zu warten, flogen wir daher zum Verkehrsflugplatz J\u00f6nk\u00f6ping. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.flugunion-seitenstetten.at\/v3\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Schweden-1-400x267.jpg\" alt=\"Schweden-1\" width=\"400\" height=\"267\" class=\"alignright size-medium wp-image-674\" srcset=\"https:\/\/www.flugunion-seitenstetten.at\/v3\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Schweden-1-400x267.jpg 400w, https:\/\/www.flugunion-seitenstetten.at\/v3\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Schweden-1-225x150.jpg 225w, https:\/\/www.flugunion-seitenstetten.at\/v3\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Schweden-1.jpg 705w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/>Aber auch auf diesem riesigen Platz ist der Turm nur zu bestimmten Zeiten besetzt. Mittlerweile wussten wir aber, dass das in Schweden, Gang und Gebe ist und auch in J\u00f6nk\u00f6ping wurde der Flugplan wieder per Funk geschlossen.<\/p>\n<p><b>SAAB Link\u00f6ping<br \/>\n<\/b>Weil f\u00fcr Link\u00f6ping der Wetterbericht eine geschlossene Wolkenuntergrenze zwischen 900 und 1.200 Fu\u00df vorhersagte, telefonierten wir mit einem Mitglied des Link\u00f6pinger Fliegerclubs, der uns alle Informationen \u00fcber das Wetter und die Landung auf dem ebenfalls nicht besetzten Flugplatz erz\u00e4hlte. Am Flug dorthin ging es im Tiefstflug \u00fcber die Gegend, die in Schweden \u00fcberall gleich zu sein scheint. Zigtausend kleine Seen, darin Inseln, endlose W\u00e4lder und wenige Wiesen. Eine Notlandung in dieser verlassenen Gegend w\u00e4re ein sicheres Todesurteil.<\/p>\n<p>Genau wie es der Fliegerfreund erz\u00e4hlt hatte, landeten wir am SAAB Werksflugplatz ESSL. Ein absolutes Ziel unseres Fluges war es, die SAAB Flugzeugfabrik zu besuchen, und einen Bildbericht zu verfassen, so wie wir es schon im Airbuswerk Toulouse gemacht hatten . Das Flugzeugwerk befindet sich direkt im Areal des Flugplatzes, doch war es g\u00e4nzlich unm\u00f6glich, die Produktion zu besichtigen. Auch ein Referenzschreiben der SKY REVUE half da nichts. Entweder wird das aus Spionagegr\u00fcnden abgelehnt, oder vielleicht auch weil \u00d6sterreich statt dem SAAB GRIPEN den Eurofighter gekauft hat. Auch der Skandal, den es deswegen gegeben hat, war den Schweden genau bekannt. Besonders interessant war daf\u00fcr, das Flugzeugmuseum Link\u00f6ping. Es sind dort nicht nur s\u00e4mtliche SAAB Flugzeuge vom allerersten, um die Jahrhundertwende bis zu den neuesten Kampfjets ausgestellt, sondern auch etliche Milit\u00e4rexponate anderer Staaten. Interessanterweise liegt das Museum am Flugplatz Link\u00f6ping-Malmen, der laut Jeppesen auch f\u00fcr Public ge\u00f6ffnet sein soll, jedoch in Wirklichkeit der Milit\u00e4rfliegerei vorbehalten ist.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.flugunion-seitenstetten.at\/v3\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Schweden-2-Bromma-400x267.jpg\" alt=\"Schweden-2-Bromma\" width=\"400\" height=\"267\" class=\"alignleft size-medium wp-image-675\" srcset=\"https:\/\/www.flugunion-seitenstetten.at\/v3\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Schweden-2-Bromma-400x267.jpg 400w, https:\/\/www.flugunion-seitenstetten.at\/v3\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Schweden-2-Bromma-225x150.jpg 225w, https:\/\/www.flugunion-seitenstetten.at\/v3\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Schweden-2-Bromma.jpg 705w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/>Die n\u00e4chste Strecke nach Stockholm war landschaftlich wieder typisch schwedisch, doch allm\u00e4hlich war zu merken, dass man sich einer gro\u00dfen Stadt n\u00e4hert. Nach Kontakt zu mehreren Funksprechstellen war die Landung in Stockholm\/Bromma ESSB absolut problemlos. Das Auftanken jedoch ganz und gar nicht, denn bei der Selbstbedienungstankstelle muss vorerst die gew\u00fcnschte Literzahl fixiert werden (wer wei\u00df das im Vorhinein genau), nur spezielle Kreditkarten werden akzeptiert und es gibt keinen Zahlungsbeleg.<\/p>\n<p>Nach \u00dcbernachtung im neuen Best Western Flugplatzhotel ging es am n\u00e4chsten Tag mit dem Taxi zum H\u00f6hepunkt der Reise. Dabei erz\u00e4hlte der Fahrer, dass Taxis, die in den Flugplatz einfahren, ausschlie\u00dflich mit Biogas betrieben werden m\u00fcssen. Diesel oder Benzinautos sind verboten. Die Schweden m\u00f6chten hier ein Zeichen f\u00fcr Umweltfreundlichkeit \u2013 besonders was die Fliegerei betrifft \u2013 setzen.<\/p>\n<p><b>40 Jahre ABBA<br \/>\n<\/b>W\u00e4hrend des Winters habe ich das neueste Buch \u00fcber die Geschichte der weltbekannten schwedischen Band ABBA gelesen. Ihre wirklich ins Ohr gehenden Hits dominierten in meiner Jugendzeit die Musikszene und ich h\u00f6re sie auch heute noch gerne. Die Geschichte der vier Schweden &#8211; Agnetha, Anni-Fried, Bj\u00f6rn und Benny &#8211; liest sich wie ein Roman. So war es auch verst\u00e4ndlich, dass ich mitbekommen habe, dass im Mai anl\u00e4sslich ihres 40-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4ums, ein neues ABBA Museum in Stockholm errichtet wurde. Seit das Museum er\u00f6ffnet ist, pilgern t\u00e4glich tausende Besucher aus der ganzen Welt dorthin, um das Wirken der vier sympathischen Musiker nachzuverfolgen. Nach Gewinnen des europ\u00e4ischen Songcontests im Jahr 1974 folgte ein sagenhafter Aufstieg mit Life-Konzerten auf der ganzen Welt. Bis heute wurden gesch\u00e4tzte 370 Millionen Tontr\u00e4ger verkauft, das Musical \u201eMamma Mia\u201c wird in vielen Staaten aufgef\u00fchrt, und viele Bands kopieren in Originalbekleidung mit gro\u00dfem Erfolg die unsterblichen ABBA Hits. Das Museum befindet sich auf der Insel Djurg\u00e4rden, gleich neben dem Gr\u00f6nalund , einem riesen Vergn\u00fcgungspark \u00e4hnlich des Wiener Praters.<\/p>\n<p>Im Museum sind die zahlreichen goldenen Schallplatten, die unglaublich kreativen Originalbekleidungsst\u00fccke der Gruppe, die Bekleidungsschneiderei, das originale Aufnahmestudio, pers\u00f6nliche und Backstage-Gegenst\u00e4nde ausgestellt. In unterschiedlichen R\u00e4umen laufen permanent Filme \u00fcber das Wirken der Gruppe. Die absoluten Hits sind in Gro\u00dfkabinen zu h\u00f6ren. Besonders interessant sind verschiedene Monitore, auf denen Ausschnitte der damaligen Zeit und Interviews der Megastars aus heutiger Zeit zu sehen sind. Auch ein Filmstudio gibt es, in dem Besucher mit Playbackmusik und Trickbegleitung der vier ABBA-Mitglieder gefilmt werden k\u00f6nnen. Durch das Lesen des ABBA Buches war mir nat\u00fcrlich alles bekannt, doch nun am Ort des Geschehens alles in Original zu sehen, ist schon sehr beeindruckend. Im Museum ist auch eine Ausstellung \u00fcber die musikalischen Epochen des vergangenen Jahrhunderts, und auch der technischen Ausr\u00fcstung beginnend mit dem Trichtergrammofon, \u00fcber Magnetofon, Taperecorder bis zu den heutigen supermodernen Smartphones, \u00fcber die weltweite Musikst\u00fccke durch Antippen geh\u00f6rt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wenn schon in Stockholm, dann ist es auch Pflicht, das Vasa Museum zu besuchen, den K\u00f6nigspalast mit Wachabl\u00f6se zu besichtigen, den riesigen Hafen mit hunderten Schiffen vom kleinen Motorboot bis zu Hochsee-Passagierschiffen zu beobachten, und auch durch die Innenstadt zu bummeln.<\/p>\n<p><b>Insel Gotland<br \/>\n<\/b>Nach der anstrengenden Sightseeing Tour war es angenehm, am sp\u00e4ten Abend wieder im Flugzeug zu sitzen, um auf die Insel Gotland zu fliegen. Der Ausflug direkt \u00fcber Stockholm \u2013 wo wir uns kurz zuvor aufgehalten hatten \u2013 war besonders interessant. Am einst\u00fcndigen Flug \u00fcber die Ostsee war die Sicht extrem schlecht, doch vertrauten wir auf den Motor des Flugzeuges, dem GPS, dem Autopiloten und nat\u00fcrlich auch den angelegten Rettungswesten. Als allm\u00e4hlich Land in Sicht kam, begannen wir mit dem Sinkflug und landeten in der Stadt Visby, die laut Publikation der sch\u00f6nste Fleck in Schweden sein sollte. Auf der Abstellwiese gab es schwere Betonreifen zum Anbinden der Flugzeuge. Mit einem speziellen Hebel-Wagerl k\u00f6nnen diese m\u00fchelos transportiert werden (gute Idee). Nach Einchecken im Hotel machten wir einen Bummel durch den Hafen und g\u00f6nnten uns ein Abendessen in einem der vielen Restaurants. Die riesige Autof\u00e4hre aus Stockholm war gerade eingetroffen, Autos fuhren vom und aufs Schiff, haupts\u00e4chlich waren es schwedische Touristen, die ihren Urlaub auf der Insel verbrachten. In der Marina waren zahlreiche Segel- und Motoryachten zu bestaunen, die uns an die eigenen T\u00f6rns in der Adria erinnerten. Auf der Insel Gotland wurden vor vielen Jahren auch Szenen des Films Pipi Langstrumpf von Astrid Lindgren gedreht. In unseren Breitengraden ist die Insel nicht so bekannt, weil kaum jemand im s\u00fcndteuren Land Schweden Urlaub macht.<\/p>\n<p><b>Nach Polen und Tschechien<br \/>\n<\/b>St\u00e4ndig beobachteten wir die Wettervorhersage der kommenden Tage. Bisher war das Wetter immer CAVOK \u2013 also Sichtflugbedingungen. Au\u00dfer der tiefen Wolkenbasis am Festland und dem intensiven Dunst \u00fcber dem Meer gab es wetterm\u00e4\u00dfig keine Probleme. F\u00fcr die n\u00e4chsten Tage war allerdings in Skandinavien ein m\u00e4chtiges Tief mit Unwetter angesagt, schon am Nachmittag sollte es in Stockholm und Visby regnen. Wegen Terminen zu Hause konnten wir nicht riskieren, Tage oder wom\u00f6glich gar Wochen in Skandinavien gefangen zu sein und nicht zur\u00fcckfliegen zu k\u00f6nnen. Daher verzichteten wir darauf, auf der weiteren geplanten Insel Oland auf einem kleinen Privatflugplatz zu landen, sondern flogen gleich zum gro\u00dfen Verkehrsflugplatz in Kalmar am Festland. Auch hier wieder das gleiche Spiel, keine einzige Person auf dem riesigen Flugplatz, und Flugplan schlie\u00dfen \u00fcber Sveden Info. Weil zum Auftanken des Flugzeuges nur spezielle BP Aircards akzeptiert werden, erschien es anfangs aussichtslos, zu tanken, doch fanden wir beim Fliegerclub dann hilfreiche Freunde, die das Problem l\u00f6sen halfen. Irgendwann war es auch m\u00f6glich, einen Flugplan nach Polen aufzugeben.<\/p>\n<p>Nun ging es wiederum eineinhalb Stunden \u00fcber die Ostsee nach Gdansk in Polen. Wenn man lange Zeit \u00fcber das Meer fliegt, ist es schon immer wieder beruhigend, irgendwo ein Schiff zu ersp\u00e4hen, f\u00fcr den Fall, \u2026 , aber daran wollen wir ja gar nicht denken. Zum Festland hin war die Wolkendecke unter uns geschlossen, sp\u00e4ter war es aber einfach durch Wolkenl\u00f6cher wieder nach unten zu sinken. Der riesige Flughafen von Gdansk ist vollkommen neu gebaut und tr\u00e4gt den Namen des polnischen Nobelpreistr\u00e4gers Lech Walesa. Hier war wiederum alles ganz anders als in Schweden. Ein Follow-me-car holte uns von der Piste ab, zwei Personen waren f\u00fcr das Inkasso der Landegeb\u00fchr zust\u00e4ndig, zwei weitere im Wetterb\u00fcro und ein weiteres B\u00fcro f\u00fcr spezielle Angelegenheiten. Und gegen\u00fcber Schweden war alles wesentlich billiger. Nach einem reichhaltigen Mittagessen, das samt Getr\u00e4nk nur etwa \u20ac 8,- kostete \u2013 in Schweden mussten wir nur f\u00fcr einen Burger \u20ac 23,- bezahlen \u2013 machten wir uns auf den Weg zu einer Tanklandung nach Poznan in Polen. Dort war neben der Piste gerade ein Motorradrennen in Gang, das einen h\u00f6llischen L\u00e4rm verursachte. Auch in Poznan wieder unendlich viel Personal, aber die Preise nur ein Bruchteil von Schweden.<\/p>\n<p><b>Christus-K\u00f6nig- Statue in \u015awiebodzin<br \/>\n<\/b>Ein weiterer H\u00f6hepunkt unserer heurigen Flugreise sollte es sein, die Christus Statue in \u015awiebodzin zu umfliegen. Im Fernsehen hatte ich einen Bericht dar\u00fcber gesehen, die Statue sollte gleich aussehen, wie jene in Rio de Janeiro am Berg Corcovado, Brasilien, aber sogar noch gr\u00f6\u00dfer sein. Die Statue befand sich zwar abseits unseres Direktkurses, doch der zwanzig-min\u00fctige Flug hat sich absolut ausgezahlt. Mit genauen Koordinaten sahen wir die Statue schon von weiten. Und tats\u00e4chlich sieht sie wirklich so aus wie die in Rio und sogar von der Luft aus wirkt sie gegen\u00fcber den umgebenden Zelten, Autos und Menschen riesengro\u00df. Errichtet wurde sie 2010 vom Pfarrer des Ortes, Sylwester Zawadzki, der damit den Schutzpatron des Ortes ein Denkmal setzen wollte. Sie ist 36 Meter hoch, 440 Tonnen schwer und auf einem k\u00fcnstlichen H\u00fcgel errichtet. Finanziert wurde sie ausschlie\u00dflich aus Spenden. Mittlerweile ist die Christus Statue eine Touristen Attraktion und zieht Besucher aus nah und fern an. Nach mehrmaligem Umkreisen im Tiefflug setzten wir unseren Flug weiter fort.<\/p>\n<p><b>Nach Hause<br \/>\n<\/b>Weil das Wetter an diesem Tag Sichtflugbedingungen bis nach Hause erm\u00f6glichte \u2013 f\u00fcr den darauffolgenden Tag aber die vom Norden hereinziehende Schlechtwetterfront angesagt war &#8211; setzten wir alles daran, noch abends wieder nach Hause zu kommen. Bei einer Zwischenlandung in Pardubice in Tschechien ging alles wieder flott, sowohl das Handling, als auch Flugplanaufgabe war in k\u00fcrzester Zeit erledigt. Nun erlebten wir einen wundersch\u00f6nen Abendflug nach Hause. In 6.500 Fu\u00df ging es neben scharfkantigen CB-Wolkenb\u00e4nken bei klarer Erdsicht durch Tschechien. Sch\u00f6ner h\u00e4tte der Abschlussflug nicht sein k\u00f6nnen. Ab der Grenze empfingen wir Wien-Information, wo auch deutsch gesprochen wird. Das allerletzte St\u00fcck wurden wir von Linz-Approach durch die Kontrollzone geleitet und der Flugplan geschlossen. Sehr m\u00fcde vom langen anstrengenden Flug, aber dennoch gl\u00fccklich, dass wir fast alle geplanten Vorhaben realisieren konnten, landeten wir am bereits geschlossenen Flugplatz Seitenstetten.<\/p>\n<p>Diese Flugreise war zwar lange nicht so spektakul\u00e4r wie Fl\u00fcge, die wir schon fr\u00fcher in 45 Staaten auf 216 Flugpl\u00e4tzen unternommen hatten. Aber sie war mit zwei Jubil\u00e4en verbunden. 40 Jahre ABBA ist ein Anlass zum Ursprung dieser erfolgreichen Musikgruppe zu fliegen, ein besonderes Jubil\u00e4um war aber die Tatsache, dass ich fast auf den Tag genau vor 50 Jahren am Spitzerberg meinen ersten Flugschein gemacht habe. Erinnerungen, die lange im Ged\u00e4chtnis bleiben werden.<\/p>\n<p><b>Wichtige Erkenntnisse<\/p>\n<p><\/b>Gegenden:<br \/>\nIn Deutschland ist es gr\u00f6\u00dftenteils flach, teilweise h\u00fcgelig und beinahe \u00fcberall gibt es unz\u00e4hlige Windr\u00e4der. D\u00e4nemark ist tief gelegen, besonders flach, mit langen Meeresk\u00fcsten und Inseln. Schweden ist vollkommen anders als das europ\u00e4ische Festland. Das Land verf\u00fcgt \u00fcber fast hunderttausend Seen und etwa 220.000 Inseln. Hunderte Quadratkilometer nur W\u00e4lder und Wiesen, auf denen es auch Elche und Rentiere gibt. Wenn man stundenlang \u00fcber diese endlose Weite fliegt, taucht unweigerlich die Frage auf, ob wirklich schon \u00fcberall Menschen gewesen sind. Polen und Tschechien sind landschaftlich \u00e4hnlich wie Deutschland, meistens flach, nur an deren Grenze ein bis 5.000 Fu\u00df Meter hohes Gebirge. Gegen\u00fcber \u00d6sterreich ist gut erkennbar, dass die Felder in osteurop\u00e4ischen Staaten wesentlich gr\u00f6\u00dfer sind als die nur kleinen Felderstreifen in \u00d6sterreich.<\/p>\n<p>Flugplanaufgabe:<br \/>\nAbsolut empfehlenswert ist die Flugplanaufgabe \u00fcber das Austro Controll Homebriefing. \u00dcberall, wo es einen Internetempfang gibt, funktioniert das allerbestens. Wenn kein Computer zur Hand ist, geht es auch ohne Probleme \u00fcber das Smartphone. Alles ist dabei unkompliziert und die Best\u00e4tigung trifft innerhalb weniger Minuten ein. Nur in Polen war es notwendig, einen schriftlichen Flugplan auszuf\u00fcllen, das dauert aber viel l\u00e4nger als \u00fcber das Homebriefing.<\/p>\n<p>Flugfunk:<br \/>\nW\u00e4hrend \u00fcber Polen und Tschechien relativ wenig Funkverkehr herrscht, ist das in D\u00e4nemark und Schweden vollkommen anders. Es gibt viele Funksprechstellen, wo man von einer auf die andere weitergereicht wird. Alleine f\u00fcr die relativ kurze Strecke von G\u00f6teborg nach J\u00f6nk\u00f6ping hatten wir Funkverkehr mit f\u00fcnf Funksprechstellen. Es er\u00fcbrigt sich zu erw\u00e4hnen, dass man im Flugfunk Routine ben\u00f6tigt, um die teilweise sehr rasch gesprochenen Anweisungen zu verstehen, mitzuschreiben und zur\u00fccklesen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wettervorhersage:<br \/>\nPunkto Wettervorhersage verlassen wir uns in der Zwischenzeit ausschlie\u00dflich auf das, was wir selbst \u00fcber die publizierten Wetterberichte im Homebriefing und www.wetteronline.de sehen k\u00f6nnen. Au\u00dfer in Polen gibt es auch keine \u201emenschliche\u201c Wetterberatung mehr. Sehr aufschlussreich sind die Wetterradarbilder, die eine gute \u00dcbersicht \u00fcber die momentane und k\u00fcnftige Wettersituation geben.<\/p>\n<p>Tanken und Landegeb\u00fchren:<br \/>\nWie sehr in Skandinavien mit Personal gespart wird, haben wir nicht nur erlebt, in dem selbst riesengro\u00dfe Flugpl\u00e4tze nur zu ganz bestimmten Zeiten personalm\u00e4\u00dfig besetzt sind, sondern auch bei den Dienstleistungen am Boden. Nat\u00fcrlich gibt es auch kein AIS f\u00fcr pers\u00f6nliche Ausk\u00fcnfte, alles muss man selbst am Computer recherchieren, entsprechende Erfahrung ist notwendig. AVGAS gibt es \u2013 zumindest auf den Pl\u00e4tzen, wo wir waren \u2013 nur von Selbstbedienungstankstellen. Bis auf die Tatsache, dass nicht alle Kreditkarten akzeptiert werden, die gew\u00fcnschte Tankmenge im Voraus eingegeben werden muss und es teilweise keine Zahlungsbelege gibt, funktioniert das ganz gut. Anders in Deutschland, Polen und Tschechien, wo es immer noch menschliche Kontakte gibt. Aus Kosteneinsparungsgr\u00fcnden gibt es in Schweden auch keine Stelle, die Landegeb\u00fchr kassiert. Die Rechnung daf\u00fcr kommt irgendwann per Post.<\/p>\n<p>Preise:<br \/>\nDie Preise in Schweden sind exorbitant hoch. Ob Taxi, Hotel, Essen oder anderes, alles kostet ein Vielfaches wie bei uns. Genau das Gegenteil ist in Polen der Fall, wo trotz viel besch\u00e4ftigtem Personal alles spotbillig ist. Bei den Landegeb\u00fchren f\u00e4llt auf, dass diese mit L\u00e4rmschutzzeugnis in Deutschland nur \u20ac 8,- bis \u20ac 9,- betragen.<\/p>\n<p>Interessanterweise haben wir in Schweden keine einzige Krone Bargeld gewechselt, sondern alles \u2013 auch kleinste Betr\u00e4ge \u2013 mit Kreditkarte bezahlt. Bei den Museen kann man zum Beispiel nur mit Kreditkarte bezahlen, Bargeld wird nicht angenommen.<\/p>\n<p>Text: Wolfgang Grabner<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ABBA Jubil\u00e4um und andere Highlights per Flugzeug Auch heuer starteten Flugunionmitglieder Wolfgang und Ewald Grabner zu einem ganz besonderen Flug. Zum Jubil\u00e4um 50 Jahre Flugschein und 40 Jahre Abba flogen sie mit der Piper Archer D-EHHV zu den Wurzeln dieser popul\u00e4ren Band nach Schweden. Am Weg hin und zur\u00fcck gab es etliche weitere interessante Highlights. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":677,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_exactmetrics_skip_tracking":false,"_exactmetrics_sitenote_active":false,"_exactmetrics_sitenote_note":"","_exactmetrics_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[],"class_list":["post-670","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-reisebericht"],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.flugunion-seitenstetten.at\/v3\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/670","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.flugunion-seitenstetten.at\/v3\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.flugunion-seitenstetten.at\/v3\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.flugunion-seitenstetten.at\/v3\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.flugunion-seitenstetten.at\/v3\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=670"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.flugunion-seitenstetten.at\/v3\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/670\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":676,"href":"https:\/\/www.flugunion-seitenstetten.at\/v3\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/670\/revisions\/676"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.flugunion-seitenstetten.at\/v3\/wp-json\/wp\/v2\/media\/677"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.flugunion-seitenstetten.at\/v3\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=670"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.flugunion-seitenstetten.at\/v3\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=670"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.flugunion-seitenstetten.at\/v3\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=670"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}